Auswege

 
Entspannung
Selbsthilfegruppe
Therapie
Kathedisierung
Medikamente
Tipps

 

 

 

 

 

 

Werbung:

 


_auswege 

Auswege

  Gleich vorweg: DIE Methode gibt es nicht! Jeder muß für sich selbst seinen ganz
  persönlichen Weg finden. Lest alles sorgsam durch, geht in Euch und bei Fragen oder
  Problemen könnt ihr Euch ganz einfach im Forum austauschen.

  Berichte ( sowohl positiv, als auch negativ ) zu einigen der aufgeführten Methoden
  findet Ihr unter "Berichte" hier auf der Website.

  Sollten Dinge fehlen, schickt mir einfach eine mail mit einer kurzen Erklärung -
  danke!

  Ich hoffe, Ihr findet euren persönlichen Weg! Viel Erfolg!!

 
Methoden

1. Entspannungsübung *1

1. Spannen Sie Ihren Sphinkter (Harnröhrenschließmuskel) so stark wie möglich an!

(Beachten Sie: Die Steuerung des urethralen Sphinkters bezieht sich auch auf den analen Schließmuskel – beide Muskeln werden also gleichzeitig angespannt)

2. Nun entspannen Sie ihn.

3. Spannen Sie den Sphinkter ein weiteres Mal so stark wie möglich an – und entspannen Sie ihn wieder. Dabei konzentrieren Sie sich fest auf das Entspannen – und erreichen so nach und nach ein höheres Entspannungsniveau des Sphinkters als beim ersten Entspannen.

4. Wiederholen Sie die Übung häufig und auch an verschiedenen Orten, so dass Sie Ihren  Sphinkter nach und nach immer bewusster und schneller entspannen können.

5. Wenn Ihnen dies gelungen ist, können Sie den Schwierigkeitsgrad steigern und sich beim Üben solche Situationen vor Augen halten, in denen Sie aufgrund Ihrer Angst bislang nicht urinieren konnten und die Sie deshalb vielleicht meiden. Versuchen Sie, auch beim Gedanken an eine solche Situation Ihren Sphinkter bewusst zu entspannen.

6. Wenn Sie gelernt haben, Ihren Sphinkter bewusst zu entspannen und dadurch die Blasenentleerung einzuleiten, kann Ihnen das bei der Desensibilisierung, zum Beispiel im Rahmen einer Therapie, helfen. Das heißt, Sie begeben sich allmählich in Situationen, die bislang bei Ihnen Angst ausgelöst haben und in denen Sie deshalb nicht urinieren konnten. Denken Sie in diesen Situationen daran: für ein Entleeren der Blase ist es nötig, den Sphinkter zu entspannen. Konzentrieren Sie sich deshalb auf das Entspannen Ihres Sphinkters, um so die Entleerung einzuleiten!

*1 Gemailt von Markus. Danke!

  
Allgemeines zur Harnblase

Die Harnblase ist ein Hohlorgan, in dem sich der von den Nieren produzierte Harnstoff sammelt, bis er über die Harnröhre ausgeschieden wird. An der Innenseite der Blasenwand befindet sich eine Schleimhaut.

Die Blase eines Erwachsener kann circa 400 bis 500 ml Urin fassen. Im Normalfall scheidet man 5 bis 6 Mal am Tag etwa 300 bis 400 ml Harnflüssigkeit aus.
  

Normale Blasenentleerung

An der Entleerung der Blase sind verschiedene Muskeln beteiligt: der Blasenmuskel (Detrusor) und die Harnröhrenschließmuskeln (Sphinkter).

Während sich die Blase mit Urin füllt, entspannt sich der Blasenmuskel. Die Sphinkter dagegen ziehen sich zusammen, um ein ungewolltes Austreten von Urin zu verhindern.

Ist die Blase etwa zu drei Vierteln gefüllt und der Blasendruck gestiegen, beginnt man zunehmend, einen Harndrang zu verspüren. Die Sphinkter bleiben (im Normalfall) solange angespannt, bis man dem Wasserlassen sozusagen „zustimmt“ und z. B. eine Toilette aufsucht. Das Gehirn weist dann die Sphinkter an, sich zu entspannen, während der Blasenmuskel leicht angespannt wird. So kommt es zur Entleerung der Blase. Ist dieser Vorgang beendet, ziehen sich die Sphinkter wieder zusammen und die Blasenmuskulatur entspannt sich – die Blase füllt sich erneut …

Paruresis-Betroffene verspüren wie jeder andere bei stark gefüllter Blase den Drang zum Urinieren. Jedoch haben sie aufgrund eines traumatisierenden Erlebnisses Schwierigkeiten, ihre Harnröhrenmuskeln (Sphinkter) zu entspannen. Es besteht also eine psychische Blockade, so dass das Gehirn die an der Entleerung beteiligten Muskeln nicht normal steuern kann.

Betroffene können zum einen versuchen, diese psychische Blockade zu überwinden, etwa in einer Verhaltenstherapie. Zum anderen kann man lernen, das An- und Entspannen der Sphinkter bewusster zu steuern.
  

2. Selbsthilfegruppen und Treffen

Absolut empfehlenswert sind Treffen und Betroffenen. Sei es als reine Gesprächsrunde, als "Pee-Buddy" ( gemeinsames Üben ) oder gar bei einer Selbsthilfegruppe.

Gruppen:

Nürnberg: http://www.selbsthilfegruppen-mittelfranken.de/selbsthilfegruppen/alle-gruppen-von-a-z/76-angst-antipan-erlangen.html

Bitte informiert mich über neu gegründete Selbsthilfegruppen, Vorhaben etc. - danke!
 

Nachfolgendes bitte nur unter ärztlicher Aufsicht!
  

3. Therapie

Eine Therapie kann aus drei Bausteinen bestehen:

a) einem kognitiv orientierten Teil (negative Annahmen und Gedanken des Betroffenen über Angst auslösende Situationen korrigieren)

b) einem verhaltensorientierten Teil (das Urinieren in Angst auslösenden Situationen trainieren)

c) einem entspannungsorientierten Teil (Techniken zur bewussten Entspannung der an der Entleerung beteiligten Muskeln)

a) kognitiv orientierter Teil („kognitive Umstrukturierung dysfunktionaler Annahmen“):

Die negativen Annahmen und Gedanken, die der Betroffene rund um die Angst auslösenden Situationen hat, richten sich zum einen auf den Vorgang des Urinierens selbst. Beispielsweise kreisen die Gedanken der Betroffenen darum, was andere denken, wenn man nicht sofort urinieren kann. Zum anderen befürchten die Patienten aber auch, eine Entleerungsstörung ist ein Zeichen mangelnder Männlichkeit. Manche meinen, nur wenn sie auch im Stehen urinieren können, seien sie ein richtiger Mann. In diesem Zusammenhang kommt auch zum Tragen, dass eine uralte Form männlicher Rivalität darin bestand, sich beim Urinieren gegenseitig zu übertreffen. Die Betroffenen befürchten zu unterliegen bzw. fühlen sich unterlegen.

Solche Überlegungen werden in der Therapie bewusst gemacht und sollen nach und nach verändert werden. Es soll erreicht werden, den Betroffenen andere Denkweisen zu vermitteln und sie in die Lage zu versetzen, schamauslösende Gedanken stoppen zu können.

b) verhaltensorientierter Teil („Expositionsbehandlung“, „Desensibilisierung“):

Im verhaltensorientierten Teil einer Therapie, der auch „Expositionsbehandlung“ oder „Desensibilisierung“ genannt wird, werden die Patienten mit Angst auslösenden Situationen konfrontiert, um die Entleerungsstörung nach und nach zu überwinden.

Zunächst wird ermittelt, unter welchen Bedingungen die Entleerungsstörung auftritt. Ziel ist es, sich schrittweise an die Angst auslösenden Situationen heranzutasten und sie erfolgreich zu meistern. Dazu ist es nötig, die Reizbedingungen graduell zu erschweren.

Begonnen wird mit Situationen, in denen eine Blasenentleerung möglich ist, dabei begleitet der Therapeut den Patienten. Voraussetzung ist, dass der Patient genug getrunken hat, um überhaupt den Drang zum Urinieren zu verspüren. Wird diese Situation gemeistert, also ist die Entleerung der Blase möglich, wird das Wasserlassen nach wenigen Sekunden wieder unterbrochen und der Schweregrad wird gesteigert.

Beispielsweise steht der Therapeut zunächst soweit entfernt, dass der Patient in der Lage ist zu urinieren. Dann wird die Entleerung unterbrochen und die Bedingungen werden erschwert, indem sich der Therapeut sich dem Patienten nähert. Häufig finden die ersten Konfrontationen auf „kontrollierbaren“ Toiletten statt, beispielsweise zuhause oder in den Therapieräumlichkeiten. Sind diese Situationen erfolgreich überstanden (also konnte der Patient seine Blase entleeren), kann der Schwierigkeitsgrad gesteigert werden, indem man sich zusammen mit dem Therapeuten in unvertrautere Umgebungen begibt. Ziel ist es, die Reizbedingungen so lange zu erschweren, bis auch bisher stark vermiedene Situationen gemeistert werden (Benutzen des Urinals auf öffentlichen Toiletten) und die Betroffenen schließlich auch ohne den Therapeuten in ehemals Angst auslösende Situationen urinieren können.

c) entspannungsorientierter Teil:

Hier geht es darum, Techniken zu erlernen, um sich in Angst auslösenden Situationen zu entspannen und damit eine Blasenentleerung einzuleiten.

Zu nennen sind hier die progressive Muskelrelaxation und die Kegel-Übung. Durch diese Übungen lernen die Betroffenen, wie sie die urethralen Sphinkter (Muskeln, die bei der Entleerung der Blase beteiligt sind) bewusst an- bzw. entspannen. Durch das Entspannen dieser Muskeln wird die Entleerung ermöglicht.

Die Kombination von kognitiven, verhaltens- und entspannungsorientierten Therapieansätzen führt nach Ansicht von Experten zu einer beträchtlichen Besserung der Entleerungsprobleme bei den Betroffenen. Unklar ist bislang, welches dieser Therapieelemente nun maßgeblich den Therapieerfolg ausmacht. Hierzu sind weitere Studien abzuwarten.  

 
4
. intermittierende (zeitweilige) Selbstkatheterisierung

Diese Methode wurde eigentlich für Patienten mit Inkontinenz entwickelt und eignet sich nur im Notfall für Paruresis-Leidende.

Zur Selbstkatherisierung gibt es verschiedene Methoden

a) Die erste Möglichkeit besteht darin, einen Harnkatheter selbst in die Harnröhre einzuführen und über diesen den angesammelten Urin abzuleiten. Ursprünglich stammt die Lösung aus der Behandlung von Inkontinenz (unkontrolliertes Austreten von Urin). Das hierzu benötigte Zubehör (sterile Katheter, Handschuhe, Gleitgel) ist im Sanitätshandel (auch online) zu bestellen.

Wir weisen darauf hin, dass die Handhabung (Einführen des Katheters) gewisse Schwierigkeiten bereiten kann. Der Eingang in die Harnröhre bei Frauen beispielsweise ist nicht ohne weiteres sichtbar. Um einen Harnkatheter einzuführen, sind ein Spiegel und ausreichend Licht nötig. Bei Männern stellt sich das Problem, dass die Harnröhre länger als bei Frauen ist und zudem in Bögen verläuft (vorbei an der Prostata). Dies erschwert das Einführen eines Katheters. Eine Einweisung in die Technik der Selbstkatherisierung durch medizinisches Fachpersonal ist deshalb unerlässlich!

Zudem ist auf strengste Hygiene zu achten (steriles Zubehör, Desinfektion der Hände und der Schamlippen bzw. der Peniseichel). Wird dies nicht beachtet, sich das Risiko einer Infektion mit möglicherweise schwerwiegenden gesundheitlichen Folgeschäden, etwa der Nieren.  

Weitere Hinweise gibt´s hier: http://www.farco-pharma.de/pat/1100.htm
 

b) Die zweite Möglichkeit ist ein externes Kathetersystem, das an den Ausgang der Harnröhre angeschlossen ist und den austretenden Urin in einen Beutel leitet, der auf der Innenseite der Wade befestigt wird („Urin-Auffangsystem“).

Das System gibt es in geschlechtsspezifischen Ausführungen.

Bei dem System für Frauen wird an den Schamlippen ein latexfreier, geruchsstoppender Beutel befestigt, der den Urin zunächst auffängt. Am unteren Beutelende ist befindet sich eine Öffnung, durch die der Urin in den an der Innenseite der Wade befestigten Auffangbeutel geleitet wird.
Bei dem System für Männer wird der externe Katheter wie ein Kondom über den Penis gestreift. Der austretende Urin wird über einen Schlauch in den Auffangbeutel geleitet, der an der Innenseite der Wade befestigt wird.
Der Auffangbeutel wird mit elastischen Riemen am Bein befestigt und kann über eine Öffnung am unteren Beutelende leicht geleert werden.
Insgesamt scheint die zweite vorgestellte Methode („Urinauffangsystem“) leichter in der Handhabung und mit weniger gesundheitlichen Risiken behaftet als das selbständige Einführen eines Katheters in die Harnröhre.
Betroffene, die sich für die erste vorgestellte Methode entscheiden, sollten ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt (Urologe) führen und sich eingehend über die Methode der Selbstkatheterisierung und geeignete Produkte informieren.  
 
 


© stadiumpal
 

5. Medikamente

Generell können Beruhigungsmittel (Tranquilizer) und Antidepressiva (Trizyklika, MAO-Hemmer, SSRI) zur medikamentösen Behandlung von Paruresis in Betracht kommen. Bislang sind jedoch keine Erfolge mit einer solchen psychopharmakologischen Behandlung bekannt.

Zur medikamentösen Behandlung von Paruresis wird aber auch der Einsatz anderer Mittel diskutiert, etwa Atenolol, Hytrin oder Bethanechol.

Atenolol gehört zu den bludrucksenkenden Betablockern, die dafür bekannt sind, bestimmte Symptome sozialer Angst zu dämpfen.

Hytrin senkt ebenfalls den Blutdruck und wirkt entspannend auf die Muskeln in der Blasengegend. Es wurde entwickelt, um Patienten mit einer Prostatavergrößerung das Wasserlassen zu erleichtern.

Bethanechol unterstützt die Kontraktion bestimmter Muskeln, die an der Entleerung der Blase beteiligt sind.

Bislang konnte auch bei diesen Wirkstoffen kein klarer Erfolg festgestellt werden. Die Forschung steht aber in diesem Bereich noch am Anfang, so dass weitere Versuche und Studien abgewartet werden müssen.  
 

6. Tipps und Tricks:

Einigen Betroffenen hilft es, sich abzulenken, beispielsweise durch Kopfrechnen, Lesen oder auch autogenes Training. Indem sie sich auf etwas anderes konzentrieren und nicht krampfhaft auf das Wasserlassen warten, entspannen sie sich, was das Einleiten der Blasenentleerung erleichtert.

Solche Tricks sind vor allem für leichtere Fälle geeignet, scheinen aber den Erfolg einer Therapie zu verzögern.

Ziel einer Therapie ist es, an den Ursachen der Entleerungsstörung anzusetzen, etwa negative Kognitionen zu korrigieren und damit das Problem an der Wurzel zu packen. Die beschriebenen Tricks richten sich eher darauf, eine Blasenentleerung herbeizuführen, ohne dass dabei das eigentliche Problem (Angst und dadurch Unvermögen, in bestimmten Situationen zu urinieren) beseitigt wird. Wenn Betroffene sich dann zu sehr auf solche Tricks konzentrieren, kann das den Therapieerfolg behindern.


 

weitere Fragen, Ergänzungen, Verbesserungen? mail