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Paruresis ... psychisch bedingte Entleerungsstörung

Bei Paruresis handelt es sich um eine psychisch bedingte Entleerungsstörung, bei der es den Betroffenen in bestimmten Situationen unmöglich ist, ihre Blase zu entleeren. Solche Situationen sind dadurch gekennzeichnet, dass man sich etwa durch die Anwesenheit anderer Personen oder aufgrund von Zeitdruck gestört fühlt. Beispielsweise ist dies in öffentlichen Toiletten, auf Reisen und Ausflügen oder bei Urintests der Fall. Aber auch zuhause kann das Problem auftreten, eben wenn man sich durch äußere Umstände gestört fühlt.  
 
Paruresis betrifft vornehmlich Männer auf öffentlichen Pissoirs ( beim "kleinen" Geschäft ). Es zeigt sich aber, dass auch Frauen unter diesem Problem zu leiden haben. Dort ist es aber meist das "große Geschäft" außerhalb der eigenen Wohnung.

In leichteren Fällen setzt die Blasenentleerung verzögert ein, in schweren Fällen ist es völlig unmöglich, in bestimmten Situationen Wasser zu lassen. Bei diesen Betroffenen kann das Problem so groß werden, dass es schließlich den Alltag bestimmt und sie sich allmählich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Das Ausgehen in Restaurants, Kneipen oder Kinos wird gemieden oder die Betroffenen unternehmen keine Reisen mehr, da dies Situationen darstellt, in denen man irgendwann zur Toilette müsste. Der soziale Aktionsspielraum und die Lebensqualität werden damit zunehmend eingeschränkt. Häufige Folgen sind sozialer Rückzug und depressive Stimmungen. 

Entstehung von Paruresis

Beim Auftreten von Paruresis, also einer psychisch bedingten Entleerungsstörung, spielen zwei Faktoren eine wichtige Rolle (sog. Zwei-Faktoren-Modell):

Zunächst kommt es (häufig auf einer öffentlichen Toilette) zu einem traumatisierenden bzw. schamauslösenden Erlebnis. Beispielsweise fühlen sich die Betroffenen durch eine mangelnde räumliche Distanz zu anderen Personen oder auch durch die bloße Anwesenheit Anderer in ihrer Privatsphäre bedroht. Es ist ihnen unangenehm, dass andere ihnen beim Wasserlassen zusehen und / oder zuhören können. Aber auch emotionale Zustände wie Prüfungsangst oder Leistungsdruck können eine Rolle spielen.

Dadurch baut sich eine Angst davor auf, dass sich diese Situation wiederholt. Diese Angst bewirkt im Weiteren eine Sympathikusaktivierung (Anspannung), die urethralen Sphinkter (Muskeln in der Blasengegend, die an der Entleerung beteiligt sind) verkrampfen sich und der Harnausfluss wird verhindert.

Die Betroffenen fürchten sich vor bestimmten Situationen und erwarten, dass sie in diesen nicht urinieren können, was sich (durch die Anspannung) bestätigt. Die Folge ist meist ein Vermeidungsverhalten, die Betroffenen umgehen nun Furcht erregende Situationen. Dadurch bleibt das Problem, die Verknüpfung „Situation à Angstreaktion“, erhalten.

Verbreitung in der Gesellschaft:

Die Entleerungsstörung tritt meist im Erwachsenenalter zum ersten Mal auf. Nach Schätzungen der International Paruresis Association leiden etwa sieben Prozent der Bevölkerung unter Paruresis. Genaue Zahlen liegen derzeit nicht vor, da diese Störung bislang kaum erforscht wurde und die Symptome bei allgemeinen Studien nicht abgefragt werden. Zudem ist den Betroffenen das Problem äußerst peinlich, so dass darüber lieber geschwiegen wird.

In Deutschland sind nach Schätzungen eine Millionen Menschen von Paruresis betroffen, neun von zehn Betroffenen sind Männer. Dies ist wahrscheinlich auf die geringere Privatsphäre in Männertoiletten zurückzuführen.

Ursachen:

Da Paruresis bislang kaum erforscht wurde, ist wenig über die Ursachen dieser sozialen Phobie bekannt.

Möglicher Auslöser könnte eine Störung bei der Herausbildung männlicher Identität sein, zum Beispiel das Versagen beim pubertären Wettpinkeln. Sigmund Freud beschrieb das Wettpinkeln (Versuch, sich beim Urinieren gegenseitig zu übertreffen) als eine uralte Form männlicher Rivalität. Auch die tief verwurzelte Angst, ein Revier abstecken zu wollen und dabei zu versagen, gehört in diese Kategorie.

Eine körperfeindliche Erziehung oder sexuelle Störungen kommen nach Ansicht der Experten nicht als Ursachen für Paruresis in Betracht.

Es wurde jedoch bei vielen Betroffenen beobachtet, dass sie aus Familien stammen, die einen eher angepassten und unauffälligen Lebensstil pflegen.
  
  

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